Kurier- und Botendienst aufbauen

Kurier- und Botendienste befinden sich in kontinuierlichem Wachstum. Ihren Erfolg begründen sie mit der schnellen Laufzeit und den günstigen Tarifen. Viele Firmen haben so in den vergangenen Jahren ihren eigenen Zustelldienst eingestellt, weil die privaten Beförderer schneller und günstiger sind. Die Unternehmen konzentrieren sich auf Ballungszentren und größere Städte. Kleine und mittlere Unternehmen, für die sich ein eigener Fuhrpark nicht lohnt, sind die potentiellen Kunden. Für sie ist maßgeblich, die pünktliche und schnellstmögliche Lieferung, sowie die Garantie, dass wichtige Sendungen ihr Ziel ohne Beschädigung oder Verlust erreichen.

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An Standorten mit wenigen vorhandenen Kurierdiensten liegt die Schwierigkeit in der Kundenwerbung und in der Bereitschaft ansässiger Betriebe einen Kurierservice anzunehmen. Mit raschen Gewinnen sollten Existenzgründer nicht rechnen. Gefordert sind Einsatzfreude, Organisationstalent und Anpassung an die Kundenwünsche (24-Std.- Service, Zwischenlagerung, Sofortdienste). So planen z. B. regionale Botendienste das schnelle Transportangebot des Intercity-Kuriers in ihren Service ein.

Mit 33.000 € Anfangsinvestitionen ist ein Start mit Fahrern als Subunternehmer möglich. 5.500 € kostet etwa die Funkanlage. Sie haben die Möglichkeit die Geräte in den Fahrzeugen von den Fahrern selbst, in Form einer Einstandsgebühr, finanzieren zu lassen. Für Notfälle sollten Sie ein eigenes Fahrzeug mit Funkgerät bereit stellen können. Weitere Ausgaben erfordert die Einrichtung der Zentrale mit kleinem Büro. Ebenfalls ist eine finanzielle Rücklage für die Kosten der ersten Geschäftsmonate anzuraten.

Dafür, dass die Zentrale für die Auftragsannahme und Koordination der Fahrer bereit steht, kassiert sie feste Beträge und/oder Umsatzbeteiligungen: Das spart gegenüber Stammfahrern und eigenen Kfz Anlaufkosten. Es bleiben die Anfangsinvestitionen. Für die Hausbank benötigen Sie ein positives Gutachten über die Zukunftschancen und ein gutes Konzept. Es gibt für Existenzgründer besondere Darlehensprogramme, z.B. bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Für Neufahrzeuge sollten Sie mit den Herstellern einen Rabatt (bis zu 20%) aushandeln, wie ihn Autovermieter erhalten.

Eine Zentrale mit 10 selbständigen Fahrern kommt bei 100 Aufträgen am Tag (incl. ca. 30 Daueraufträgen) in etwa zurecht.

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Von den Fahrern erhalten die Unternehmen eine monatliche Grundpauschale und eine Umsatzbeteiligung. Als Pauschalen werden 220-330 € gezahlt. Einnahmen aus Aufträgen, die über der Pauschale liegen, werden Vereinbarungsgemäß nach Anteilen an die Zentrale abgeführt. Der Unternehmer erledigt dafür vielfältige Organisationsaufgaben: Auftragsvermittlung, Einsatzplanung, Buchführung, Inkasso, Funkzentrale, Werbung. Es ist ratsam für selbständige Fahrer einen Rahmenvertrag mit einer Transportversicherung abzuschließen; die Versicherungsprämien müssen dann im Endpreis enthalten sein.

Preise orientieren sich am Markt, also an der Konkurrenz (Prospekte anfordern). Innerstädtisch hat sich für Fahrten mit Rollern oder PKWs ein Grundpreis um 2,20 € plus ein Lastkilometerpreis von 55 Cent eingependelt. Auswärts steigt der Kilometerpreis bis auf 88 Cent. Für Kombis oder Transporter ist eine Grundgebühr bis 3,30 € sowie 1,10 € pro km angemessen. Für Nachtfahrten und Samstage können Sie Zuschläge bis zu 25 € erhalten, an Sonn- und Feiertagen oft 50 €. Liefernachweise, Lade- und Wartezeiten werden extra berechnet. Alternative: Ein Unternehmen mit eigener Fahrzeugflotte und angestellten Fahrern kassiert alle Umsätze voll. Dem gegenüber stehen höhere Lohn- und Fahrzeugkosten (Jahresgesamtkosten pro Arbeitnehmer incl. Urlaubsvertretung ca. 22.000 €).

Der Service der Anbieter wird von drei hauptsächlichen Kundenwünschen bestimmt: Geschwindigkeit, Bequemlichkeit (z.B. Abholung), Sicherheit (der Kurier Übernimmt die Verantwortung). Nach den Transportkosten fragt der Kunde erst in zweiter Linie. Während der Hauptverkehrszeit setzen manche Dienste Motorroller ein. In Manchen bietet Gregory Willms den Fahrradservice an, in seinem Fahrradhänger transportiert er auch größere Aufträge. In Amerika haben sich die Fahrradkuriere bereits einen sehr guten Ruf erobert. Sonderwünsche von Stammkunden werden erfüllt, sie können aber auch irgendjemand seine Einkäufe abholen. Einige Botendienste bieten einen Expressdienst für beliebte Städteverbindungen an. Z.B. Köln-München in 210 Min. Der Kilometerpreis steigt dann bis auf das Doppelte). Zusammen mit Stammkunden können lukrative Spezialisierungen entwickelt werden. So ließ eine Computerfirma geeignete Fahrer eines Kurierdienstes zum Direkteinbau von Computerteilen schulen.

Für Boten- und Kurierdienste wie für Kleintransporte besteht Gewerbefreiheit.

Der Transport von Fracht unter 750 kg Nutzlast in Kraftfahrzeugen unterliegt nach §4 Abs. 2 nicht dem Güterkraftverkehrsgesetz. Eine besondere Genehmigung ist nicht nötig. Die Aufnahme der Geschäftstätigkeit muss der Ordnungsbehörde mitgeteilt werden. Sie erhalten dann vom Finanzamt eine Steuernummer. Alle Arbeitnehmer müssen bei der Berufsgenossenschaft gegen Unfall und Berufskrankheiten versichert werden.

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Für die Anschaffung einer Funkanlage müssen Sie sich mit dem zuständigen Fernmeldeamt in Verbindung setzen. Es kommt dabei nur der “bewegliche Betriebsfunk” in Frage, der die technischen Vorschriften der Post erfüllen muss. Sie können mit dieser Anlage bei einer Leistung bis 6 Watt eine Streubreite von 15-20 km erreichen. Der Nahbereichsfunk (CB-Funk) ist ungeeignet. Über Fabrikate und Technik informiert das Fernmeldeamt. Die Zustellung von Briefen ist Monopol der Bundespost, in der Praxis dürfte das allerdings erst spät auffallen und zunächst kaum zu negativen Konsequenzen führen. Personenbeförderung ist ohne Personenbeförderungsschein bzw. Taxierlaubnis nicht gestattet. Vor dem Transport gefährlicher Stoffe sprechen Sie besser mit dem Ordnungsamt.

Fahrer und Autos sollten ein entsprechendes äußeres Erscheinungsbild mitbringen. (keine Rostlauben). Ein Fahrer muss mit vielen Kunden zurechtkommen. Er darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, muss einfallsreich auf verzwickte Situationen reagieren und den Stadtplan im Kopf haben. Verdienst bis zu 2.200 € monatlich.

Der Standort muss verkehrsgünstig sein und ausreichende Abstellfläche und Wartungsmöglichkeit bieten. Nach bisherigen Erfahrungen werden Botendienste in Großstädten schneller angenommen als auf dem Lande. Günstig ist eine gewisse Konzentration von Klein- und Mittelbetrieben. Für die Funkzentrale und einen Schreibtisch benötigen Sie nicht viel Platz. Das erlaubt sogar Untermiete oder ein Bürohaus.

Werbung: Empfehlenswert ist eine Anzeige in den Branchenbüchern im Internet. Wenn regelmäßig dann auch in Zeitungen. Adressverlage bieten Anschriften. Bei Firmen mit dauernd engen Terminen kann Werbung effektiv sein: Photographen, Graphiker, Agenturen, Satzbetriebe, Reproanstalten, Druckereien, Werbebranchen; auch bei Notaren und Rechtsanwälten wird so manches Schriftstück erst in letzter Minute fertig. Ebenfalls Betriebe, die eilige Ersatzteile zu liefern haben, die feinoptische Industrie, zahntechnische Labors, Computerhersteller oder Zulieferbetriebe.

Recherche-Journalistin
Michaela Karnikowski
Dönnstraße 28
44359 Dortmund
eMail mk@koskar.de


Kurier- und Botendienst aufbauen wurde am 15.12.09 um 21:03 in Geschäftsideen veröffentlicht.
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