Antiquitäten- und Kunsthandel
Einen Antiquitäten- und Kunsthandel kann man nicht von heute auf morgen aufbauen. Neben einer guten Sachkenntnis, sind möglichst schon bestehende Kundenkontakte erforderlich, um neben den älteren Unternehmen existieren zu können. Das gilt auch für die Lieferanten, ohne deren Angebote nichts verkauft werden kann. So werden Sie sich gegebenenfalls zunächst einmal als Zubringer oder Wiederverkäufer solcher alteingesessenen Geschäfte versuchen, um dadurch nach und nach den Umgang mit der Materie und den Kaufinteressenten zu erlernen. Zwar gibt es im Buchhandel und in den Stadt- und Gemeindebibliotheken viel Literatur zu diesem Thema,
aber das richtige Fingerspitzengefühl, wann eine Sache lohnend einzukaufen und mit Erfolg wieder zu verkaufen ist, kommt doch in der Regel erst aus der Erfahrung.
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Sofern Sie glauben die fachlichen Voraussetzungen erfüllen zu können, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen, sollten Sie möglichst nicht gleich an die ganz teuren Objekte herangehen, sondern Werte bis zu € 5.500 bevorzugen. Wenn man der Fachpresse glauben darf, so besteht derzeit bei vielen Interessenten ein gewisser Hang zu wertvollen Möbeln, die man unter Umständen mit Gebrauchsausstattungen kombinieren kann. Die alte Vitrine, der Intarsienschrank, die Truhe mit Dekorationswert oder gar ein altes Musikinstrument sind gegenwärtig gefragter als teure Ölgemälde. Als Insidertipp gelten auch echte Ikonen.
Bei der Finanzierung des eigenen Ladens wird man weitgehend daran denken müssen, dass auf Lager genommene, also angekaufte Stücke, mitunter eine längere Zeit benötigen, um an den Käufer gebracht zu werden. Deshalb sind die Geld- und Kreditinstitute bei fixen Objekten wie sie Antiquitäten und Kunstobjekte darstellen, naturgemäß vorsichtig. Ihren tatsächlichen Kapitalbedarf können Sie in etwa feststellen, wenn Sie – am besten mit Hilfe eines Kreditberaters Ihrer Bank – einen Finanzierungsplan erstellen.
Die Anfangsinvestition dürfte zwischen € 27.500 und € 55.000 liegen, je nachdem, was Sie ein- und verkaufen wollen.
Deshalb ist es in kaum einer anderen Branche wie im Antiquitäten- und Kunsthandel wichtig, mit einem möglichst hohen Anteil an Eigenkapital zu starten.
Bevor Sie sich in das Abenteuer eines vielleicht zu teuren Einkaufs eines Objekts einlassen, dass Sie nachher monatelang nicht verkauft bekommen, sollten Sie versuchen, zumindest den größten Anteil Ihres Anfangswarenbestands “per Kommission” anzunehmen. Das heißt, das Schränkchen, der Sessel oder die kostbare Truhe werden zunächst nur als Ausstellungsstücke in Ihren Verkaufsraum aufgenommen. Sobald sich dann ein Käufer gefunden hat, wird der Kaufbetrag – abzüglich Ihrer Provision – fällig. Auf diese Weise haben Sie immer Objekte vorrätig, müssen aber Ihr anderweitig besser aufgehobenes Kapital nicht langfristig in die Ware binden. Später, wenn das Geschäft eine solide Grundlage hat, können Sie dann die “Notverkäufe” hineinnehmen, die des öfteren aus plötzlichen Notsituationen der Verkäufer resultieren. Um an weitere wertvolle Stücke zu kommen, kann es kaum ausbleiben, dass Sie sich auch einmal im Lande umsehen und in Einzelfällen vielleicht bis ins Ausland reisen müssen. Oftmals ergeben sogar einfache Gebrauchsgegenstände, die in einem fremden Land kaum beachtet werden, in der Heimat echte Kunst- und Wertobjekte. Sofern Sie dieses Aufspüren neuer Gelegenheiten nicht außerhalb Ihrer Geschäftsstunden durchführen können, benötigen Sie Verkaufspersonal, das Sie in verantwortungsvoller Weise vertritt.
Es gibt wenige Kunsthändler, die direkt ein Geschäft eröffnen. Die meisten haben eine feste Einnahmequelle zur Deckung der Lebenshaltung und daneben die zweitberufliche Tätigkeit als An- und Verkäufer von Kunstobjekten und Antiquitäten. So kann es sehr nützlich sein, sich zunächst hauptberuflich als Restaurator alter Möbelstücke oder Antiquar zu versuchen und eventuell auf diese Weise Kenntnisse der Materie und einen festen Lebensunterhalt zu erlangen.
Es ist besonders im Antiquitäten- und Kunsthandel unabdingbar zu erfassen, welche die wichtigsten Umsatzträger der Branche sind. Außerdem müssen Sie unterscheiden, was wirklich Kunst ist und was möglicherweise nur als “Trödel” angesehen werden muss. Lassen Sie sich auf keine Großmöbel ein, da die wegen ihres Umfangs schwer verkäuflich sind. Dagegen wird man bei kleineren Möbelstücken das Risiko in Grenzen halten. Im Zweifelsfall werden Sie sich für angebotene Artikel Expertisen von Sachverständigen erbeten, bevor Sie ein Objekt ankaufen oder in Kommission nehmen.
Für ein durchschnittlich florierendes Antiquitäten- und Kunstgeschäft setzen Fachleute einen Mindestumsatz von ca. € 88.000 bis € 93.500 an. In der Anlaufzeit wird dieser Betrag kaum zu erreichen sein, deshalb empfiehlt es sich in der bereits vorgeschlagenen Weise die “Einkäufe” entweder auf Kommissionsbasis oder doch sehr vorsichtig zu tätigen. Zwar braucht man in der Regel für ein Geschäft nicht viel mehr als 50 bis 80 qm Verkaufsfläche, dafür sollten Sie darauf achten, dass ein ins Auge gefasster Laden einen ungegliederten Lagerraum in doppelter oder gar dreifacher Größe hat. In vielen Fällen genügen zu Beginn aber auch trockene Kellerräume.
Beim Standort für Ihr Unternehmen kommt es weitgehend darauf an, ob Sie überwiegend Laufkundschaft ansprechen wollen oder mehr auf Zugänge reflektieren, die durch Werbung zustande kommen. Es gibt Unternehmen, die ihre Antiquitäten mittels Versandkatalogen anbieten, in denen farbige Fotos die Objekte darstellen. Andere Firmen verbinden beide Möglichkeiten miteinander, indem sie sowohl über ein Ladengeschäft, als auch über den Versand anbieten. Ein Ladengeschäft in der City kostet – je nach Stadt – zwischen 55 und 165 Euro pro qm. Dafür muss man schon gute Erfolgsaussichten haben. Deshalb ist zu überlegen, ob sich ggf. andere Möglichkeiten finden lassen, die preiswerter sind. Manchmal ergibt sich die Gelegenheit einer Geschäftsraumteilung mit einer anderen seriösen Firma. So wäre beispielsweise ein Möbelgeschäft und ein Antiquitäten- und Kunstladen eine gute Kombination, bei der die eine Angebotsform auch Kunden für den “Raumpartner” bringen können. Die Miete ließe sich teilen und damit auch Betriebskosten. Sofern Sie eine solche Möglichkeit der Zusammenarbeit nicht finden, müssen Sie darauf achten, dass die gewählte Geschäftsgegend alle Kriterien aufweisen, die zu einer guten Lage gehören.
Zwecks Werbung und günstiger Einkaufsmöglichkeiten empfiehlt es sich in einschlägigen, von bessersituierten Personen gelesenen Publikationen zu inserieren.
Doch auch in den Tageszeitungen, Werbeanzeigern und im Branchentelefonbuch sollten Interessenten Sie mit Ihren Angeboten finden können. Die Werbung in den mancherorts angebotenen Telefon- und Einkaufsverzeichnissen kann außerdem publikumswirksam sein.
Fachliche Voraussetzungen müssen Sie dem Gesetzgeber gegenüber für die Eröffnung Ihres Antiquitäten- und Kunsthandels nicht erfüllen. Bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit wird lediglich eine Anmeldung beim zuständigen Gewerbeamt fällig, das Ihre Daten dem Finanzamt und der Industrie- und Handelskammer mitteilt. Daneben ist die Anmeldung eventueller Mitarbeiter bei der Berufsgenossenschaft bzw. Krankenkasse erforderlich.
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